Villa Brunnenpark
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Villa Brunnenpark

Ein rätselhafter Brunnen

Im Park der früh-historistischen Villa sehen wir von der Straße aus den Galatea Brunnen. Die Nymphe Galatea war der griechischen Mythologie nach die Gefährtin des einäugigen Kyklopen Polyphem. Sie gebar ihm einen Knaben namens Galatos. Der Hirtenknabe Akis war allerdings auch in Galatea verliebt – und sie in ihn. Der eifersüchtige Kyklop erschlug den Liebhaber mit einem Felsen des Ätna, worauf Galathea aus Mitleid das strömende Blut des Knaben Akis in einen Fluss, der am Fuße des Ätna entspringt, verwandelte.

Dem Gestalter der Brunnenfiguren scheint allerdings einiges durcheinander gekommen zu sein: Das Reittier für die elegante Nackte ist ein Ichthyokentaure, sein Oberkörper ist der eines Menschen – mit den Vorderbeinen eines Pferdes – sein Unterkörper ähnelt dem eines Delphins. Und in der Hand hält er einen Thyrsos- oder Bacchusstab, Attribut der Mänaden, die damit zudringlich lüsterne Satyrn sich vom Leib halten. Allesamt BegleiterInnen des Dionysos, Gott des Weines – vielleicht ein Verweis auf das Weinbaugebiet Weidling?
Die Frauenfigur balanciert auf dem Kopf jene Muschel, die auch Botticelli in seinem Bild „Geburt der Venus“ darstellt. Da alle diese Attribute und das Mischwesen dem Meer zuzuordnen sind, kann man annehmen, dass es sich hier eher um eine Darstellung von Aphrodite / Venus, die aus dem Meer geborene, denn um Galathea handelt. Weit und breit kein Polyphem und auch kein Hirtenknabe Akis...

1873 wurde der Brunnen als Ausstellungsstück für die Firma Dyckerhoff und Widmann anlässlich der Wiener Weltausstellung gestaltet und ohne Bewehrung völlig aus Beton, unter Beimischung von Portlandzement, hergestellt. Es sollte allerdings noch einige Zeit dauern, bis in der Architektur Stahlbeton zum Einsatz kam. In Österreich war es Carlo von Boog, der das Landesklinikum Mauer unter Verwendung von Stahlbeton errichtete, noch bevor Otto Wagner dieselbe Technik bei der Postsparkasse anwandte.

Ludwig Haitinger, Chemiker und Direktor der Gas-Glühlicht Fabrik Auer von Welsbach, kaufte den Brunnen. Dieser lebte mit seinem Bruder Max Haitinger, Erfinder der Fluoreszenzmikroskopie, damals in der Villa Brunnenpark, deren Name auf den Park und den Brunnen verweist.

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